Vorklasse

Die Arbeit in der Vorklasse

Grundlagen in der Vorklassenarbeit

Mit dem vollendeten 6. Lebensjahr wird ein Kind eingeschult, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass es dann den Anforderungen zu erfolgreicher Mitarbeit im Anfangsunterricht der Grundschule gerecht wird.

 

Jedoch sind nicht alle schulpflichtigen Kinder mit sechs Jahren auch tatsächlich schulfähig. Einige haben aus den verschiedensten Gründen Entwicklungsverzögerungen, oftmals in mehreren Bereichen. So beispielsweise in der

  • körperlichen Entwicklung (Belastbarkeit, Sinnestüchtigkeit),
  • emotionalen Entwicklung (Selbständigkeit, Selbstwertgefühl),
  • sozialen Entwicklung (Gruppenfähigkeit, Konfliktverhalten, Regelbewusstsein),
  • Entwicklung der Motivation (Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Konzentration und Kreativität),
  • kognitiven Entwicklung (visuelle und auditive Wahrnehmung, Gliederungsfähigkeit, Sprach- und Aufgabenverständnis, Merkfähigkeit, Denkfähigkeit, Zahl- und Mengenverständnis),
  • psychomotorischen Entwicklung (Grob- und Feinmotorik, Körperschema, Raumwahrnehmung).

 

Diese verschiedenen Bereiche machen deutlich, dass Schulfähigkeit keinesfalls eine Frage des Intelligenzgrades sein muss, sondern auch eine Frage des körperlichen und seelischen Entwicklungsstandes sein kann. Um schulpflichtigen Kindern, die mehr Zeit und Förderung für ihre Entwicklung benötigen, eine gezielte Hilfestellung zu geben, können sie für ein Jahr von der Teilnahme am Unterricht der Grundschule zurückgestellt werden und die Vorklasse besuchen. Die Zeit der Zurückstellung wird nicht auf die Dauer der Schulpflicht angerechnet.

 

Aufgaben der Vorklasse

 

Entwicklungsverzögerte Kinder fühlen sich schnell als Außenseiter und erleben das "Nichtkönnen" als Versagen. Die Leistungsdifferenz zu Erstklässlern ist meist so groß, dass sie demotivierend auf diese Kinder wirkt. In der Vorklasse wird dieser Leistungsdruck, den Kinder und Eltern gleichermaßen erleben, abgebaut. Aufgabe der Vorklasse ist es, das Kind so zu fördern, dass es später in der Jahrgangsstufe 1 erfolgreich mitarbeiten kann. Die Vorklassenleiterin stellt den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes fest und hat vielfältige Möglichkeiten zum Differenzieren und zu Fördermaßnahmen in Kleingruppen. Besonders wichtig sind die täglichen Beobachtungen und das wohlwollende Interesse an der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes. Dazu hat die Vorklasse auch die konzeptionellen Möglichkeiten (Gruppengröße, Stundenrahmen, Gestaltung der Lerninhalte). Der Kontakt zu den Eltern mit Gesprächen zu der bisherigen Entwicklung ihres Kindes und gegebenenfalls der Beratung zu weiteren Untersuchungen (z.B. Sozialpädiatrisches Zentrum, Frühförderstellen, Logopäden, Ergotherapeuten, Fachärzten) ist unerlässlich.

 

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Kinder die Vorklasse mit viel Freude besuchen und danach gestärkt und neugierig in das 1. Schuljahr starten. Der Unterrichtsstoff des 1. Schuljahres wird durch den Besuch der Vorklasse nicht vorweggenommen. Durch die Verbindung von sozialpädagogischen und unterrichtlichen Lern- und Arbeitsformen werden vielmehr Fähigkeiten geweckt und schulische Arbeitstechniken gefestigt, damit die Kinder der späteren Arbeitsweise in der Schule gewachsen sind.

 

Arbeitsweise

 

Zum Einzugsgebiet unserer Vorklasse gehören derzeit außer der Kernstadt die Grundschulen, Langenstein, Anzefahr-Niederwald, Rauschenberg, Halsdorf und Wohra. Die Vorklassenkinder der Grundschule Kirchhain haben wöchentlich mindestens 20 Schulstunden. Die Arbeit in der Vorklasse steht unter einem ganzheitlichen Ansatz, der die unterschiedlichen Wahrnehmungsbereiche anspricht. Die Lernsituation greift die Erlebniswelt der Kinder auf. Sie lernen über das Handeln und Begreifen. Das Spiel ist dabei ein wichtiges Mittel für die Kinder, ihre Umwelt zu erforschen und zu erfahren. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder, die in der Schule versagen, häufig Einschränkungen in ihrer Spielfähigkeit zeigen. Der strukturierte Tagesablauf in der Vorklasse gliedert sich deshalb in einen Wechsel von Spiel- und Arbeitsphasen (Spielen, Arbeiten, Singen, Erzählen, Basteln, Malen). Hinzu kommen ausgedehnte Bewegungsphasen. Die Tätigkeiten finden sowohl in der Gesamtgruppe als auch in kleineren Fördergruppen statt. In der Vorklasse der Grundschule Kirchhain wird überwiegend projektorientiert gearbeitet. Das bedeutet, dass ein Thema (z.B. Wetter, Haustiere, Weihnachten, etc.) für mindestens eine Woche im Mittelpunkt steht. Geschichten, Bastelarbeiten, Lieder und Arbeitsblätter werden inhaltlich den Themen angepasst unter Berücksichtigung der verschiedenen Lern- und Arbeitsfelder:

 

  • Sprache und Literatur
  • Lese-Schreib-Vorkurs
  • Mathe-Vorkurs
  • Natur- und Sachbegegnung im jahreszeitlichen Verlauf
  • bildnerisches Gestalten
  • rhythmisch-musikalische Erziehung
  • Bewegungserziehung
  • Verkehrserziehung
  • ethische Erziehung.

 

Um einen erfolgreichen Lernprozess zu ermöglichen ist es von großer Bedeutung, dass die Vorklasse den Kindern einen geschützten Raum bietet, der für sie ansprechend und „heimelig“ gestaltet ist.

 

Unsere Vorklasse wird von der Diplom-Sozialpädagogin Maja Metz geleitet. Sollten Sie weiteren Informationsbedarf haben, können Sie Frau Maja Metz über das Sekretariat der Grundschule (Tel.: 06422 / 1085) erreichen.